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Tag der deutschen Sprache: Klappe, die Zweite

07. September 2012

 

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Auf CICERO hat Paul-Hermann Gruner unter dem Titel “Die Englisch-Invasion” einen- wie ich finde – bemerkenswerten Artikel geschrieben.

Dabei scheinen alle Parameter zunächst auf etwas eher Unspektakuläres hinzudeuten. Der schon gewohnte Einstieg: “Anglizismen bestimmen zunehmend das Straßenbild. Vor allem im Einzelhandel gilt es als modern auf englischsprachige Wörter zurückzugreifen. Leider werden sie entrückt und in einen falschen Kontext gestellt. Die Lächerlichkeit bahnt sich ihren Weg.” So wahr, so abgegriffen – möchte man zunächst denken.

Es folgen Sätze wie: “Menschen gehen schrecklich nachlässig mit ihren Sprachen um. Die meisten Tortenheber, Einbauküchen oder Automobile werden pfleglicher benutzt. Das gilt besonders in Deutschland.” Der Satz liest sich wie der Webseite des Verein Deutsche Sprache entnommen. Dazu erscheint der Artikel ja auch just vor dem Tag der deutschen Sprache am 8. September.
In der nun folgenden Lawine von Fallbeispielen, von den unsäglichen “Malls” und “Centers” über die schon scheintoten Body-Bag-Rucksäcke bis hin zu Würzigerem wie Starbucks “Caramel Light Frappucino Blended Beverage”, könnte das letzte Bisschen Interesse schon entschwunden sein, der geneigte Leser sich längst weggeklickt haben zum nächsten Newsticker: Wäre da nicht etwas Bemerkenswertes, etwas Abweichendes:

Der Autor sieht solches Deutsch nicht als bedroht, sondern als verkorkst.

Wörter wanderten ins Deutsche nicht ein, sie würden durch ökonomisch-technologische Kalküle eingepresst, da sie Vereinheitlichung auf Kosten von Vielfalt erzwingen. Eine Fashion Week ist eben eine Fashion Week – ob in New York oder in Düsseldorf. Fashion Week – da weiß der Insider weltweit, was er zu erwarten hat. Und der Caramel Light Frappucino Blended Beverage ist wohl eine Marke von Starbucks. Will sagen: Das anregende Getränk ist nicht irgendein Kaffee mit Karamellgeschmack, sondern eben der one and only CLFBB von Starbucks.

 

Insofern ist ja fraglich, ob das überhaupt noch ein ANGLIZISMUS ist, dann wäre “Chrysler” oder “Apple” auch einer – oder sehe ich das falsch?

Dabei errege die Invasion unnötiger englischer Termini ins Deutsche allenfalls europaweites Belächeln – und teilweise auch ein unerwartete Ergebnis in Verbraucherbefragungen: Der Verbraucher sucht UNTERHOSEN. UNDERWEAR kann er verstehen, muss er aber nicht zwingend.

Ich denke, man muss nicht alle Thesen dieses Artikels teilen. Aber anzuerkennen ist: Es braucht Mut das mal so zu sehen. Den Mut es zu sagen – trotz des Wissens, dass sich die Welt und ihre Sprache durch Sprachkritik nicht aufhalten lässt. Über dieses Wissen verfügt der Autor ohne Zweifel. Und es braucht wohl auch vorausschauende Gelassenheit: Denn eine solche Meinung muss zwangsläufig jene auf den Plan rufen, die derlei gerne als Sprachnörglerei abtun. Die dürften aber zum Tag der deutschen Sprache ohnehin Urlaub genommen haben.

 

Andreas Cyffka |


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Kommentare

  • Hannes |  07.09.2012

    Find ich einen ganz guten Ansatz. Anglizismengegner nerven, aber Anglizismengegnergegner nerven eben auch

  • Simone |  07.09.2012

    Also Fashion Week ist schon was anderes als eine “Modewoche”. Die Firmen brauchen das Englisch, wenn sie auf dem Weltmarkt erfolgreich sein wollen.

  • Kloppo |  07.09.2012

    To go ist no go!


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