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Weil richtig schreiben wichtig ist

Weihnachtliches

12. Dezember 2012

Weihnachten ist das Fest der Liebe – und der Geschenke.  “Weihnachten”  geht zurück auf einen  alten Dativ Plural: “ze den wîhen nahten”  heißt es im Mittelhochdeutschen, “in den heiligen Nächten”. Seit dem 18. Jahrhundert hat sich der Singular durchgesetzt , galt doch Weihnachten als EIN Fest. Weihnachten beschert  Menschen, die die Sprache lieben, aber auch eine Reihe von drängenden Fragen, etwa: Gibt es Weihnachten auch als Verb?

Die Eingangszeile des Weihnachtsgedichts Knecht Ruprecht von Theodor Storm (1817-1888) wird gern zitiert: “Von drauß’ vom Walde komm’ ich her;/Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!” Der einzige uns bekannte Fall, dass das Substantiv Weihnachten zum Verb wird.  Hatte der berühmte amerikanische Linguist Charles Fillmore noch einen Aufsatz The hard road from verbs to nouns betitelt, so ist  hier die road from noun to verb auch ziemlich hart, denn Storm lässt den Ruprecht nämlich auch die Bildungsanstrengungen und die Schreibübungen der Kinder in die Beurteilung der Geschenkwürdigkeit (“Äpfel, Nuß und Mandelkern”) oder der Rutenwürdigkeit einfließen:

“Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
Lesen und schreiben und rechnen genug?”

Nun, die Deutschbloglektüre eines Jahres sollte zum Beispiel schon ausreichen, um diesbezüglich als schöner Geschenke (und nicht etwa der Rute) würdig befunden zu werden.

Beim weihnachtlichen Formulieren ist es  zum Beispiel gar nicht so selbstverständlich,  ob  es nun heißen muss: sich “zu Weihnachten”  freuen (wenn man in Norddeutschland lebt) oder “an Weihnachten” , wenn man ein Kind oder ein Bewohner des Südens ist. Es soll sogar Regionen in Deutschland geben, in denen man sich “auf Weihnachten” sieht.

Man kann aber auch allen Problemen aus dem Wege gehen -  und sich standardsprachlich einfach “Weihnachten treffen”.

Weihnachten denkt man gern an jene, die einen das ganze Jahr über umgeben und begleiten. Davon wollen wir natürlich auch unsere Freunde, die Anglizismen, nicht ausnehmen. Der Weihnachtsanglizismus schlechthin ist natürlich – Sie ahnen es schon ” X-mas” , bisweilen auch ” Xmas”   geschrieben. Im englischen Sprachraum, vor allem in den USA,  ist es die geläufige Kurzschreibweise für Christmas.

Wikipedia klärt uns darüber auf, dass seit frühchristlicher Zeit der  griechische Buchstabe Chi  (X), ebenso wie Chi Rho (XP) als Abkürzung für das Wort Christos (ΧΡΙΣΤΟΣ) verwendet wurde.  X’temmas sei  in der englischen Sprache seit 1551 belegt. Die Schreibweise werde – also auf ihre Verwendung im Deutschen bezogen – “oft mit einem Trend zur Säkularisierung und Kommerzialisierung von Weihnachten in Verbindung gebracht, obwohl sie eigentlich kein modernes Phänomen ist.Unser Staunen ist nur ein geringes, wenn wir erfahren, dass der Verein Deutsche Sprache (VDS) ” X-mas” als „das überflüssigste und nervigste Wort des Jahres 2008 in Deutschland“ ansah. Es stehe seiner Meinung nach in Deutschland im Gegensatz zu allem, was man mit Weihnachten verbindet: „Gemütlichkeit, deutsche Weihnachtstraditionen, Romantik, Christlichkeit“.

Wenn Sie  Weihnachtskarten erhalten (oder Weihnachtsmails),  die Ihnen ein gutes Neues Jahr wünschen, so werden Sie sich sicher  freuen, auch wenn das orthografisch nicht stimmt.  Das neue Jahr gilt nicht wie die “Neue Welt” (= Amerika) oder der “Heilige Abend” als Eigenname, daher wird das Adjektiv “neue” kleingeschrieben; so verhält es sich  auch mit “frohe Weihnachten”.

Großgeschrieben dagegen wird die Vorfreude auf  das Fest.  Der Deutschblog wünscht Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

 

 



Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FREUT UNS


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