Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

Rechtschreibung – brennt’s noch?

28. Februar 2013

Durch das Netz surfend  auf der Suche nach dem Deutschbloggen gewogenen Brandungen ergoogelte ich mir dieser Tage ein Wort, das mich stocken ließ: Rechtschreibflames. Das Wort ließ mich nicht nur staunen, sondern auch an mein Alter denken. Denn der englische Ursprung des zweiten Wortbestandteils, kess angeheftet an mein Trademark-Thema, ließ mich bereits vermuten, dass dies ins Reich der Jugend führen würde.  Und richtig:  Wikipedia erklärte mir, dass ein Flame aus dem Englischen kommt ( im Gegensatz zu einem Flamen, dachte ich, weil dieser aus Flandern kommt) und “ein ruppiger oder polemischer Kommentar bzw. eine Beleidigung in einer E-Mail-Nachricht, Chatsitzung, einem Forenthread oder in einem Wiki ist.”  Der Flame werde  gerne für aggressive Beiträge ohne Sachbezug verwendet. Wenn es also zum virtuellen Äußersten kommt, und der User Generated Content zum Waffengang, dann liegt gar ein Flame-War vor -  ” eine kontroverse Diskussion, bei der die Teilnehmer unsachlich und schließlich beleidigend werden. Ein Flame-War entsteht meist aus einer sachlichen Diskussion, die dann in Nebenkriegsschauplätze abrutscht. Typisch ist dabei, dass die „Argumente“ Schlag auf Schlag geliefert werden, so dass der Flame-War am Leben bleibt.” (Wikipedia)

Auch auf Gameservern werde Flaming betrieben. Ach, das ist interessant. Dann geht es beim Gamen also nicht nur um Spielen, aber bei der Rechtschreibreform ging es ja auch nicht nur ums rechte Schreiben.

Der Blogger grübelt: Wie kriegt er nun die Kurve in diesem Artikel? Flame, Flame-War? Richtig: War ist Krieg,  vielleicht Rechtschreibkrieg, sagen wir: orthography war? Ich googele, also bin ich. Richtig, es gibt eine Spur. Und die führt von der Spielkonsole direkt in ehrwürdiges Terrain, zum einem wissenschaftlichen Verlag.

Das kurze Summary des Buches sagt auf Englisch: “How does a country find itself ‘at war’ over spelling? This book focuses on a crucial juncture in the post-communist history of the Czech Republic, when an orthographic commission with a moderate reformist agenda found itself the focus of enormous public controversy.” Im Detail:

“Delving back into history, Bermel explores the Czech nation’s long tradition of intervention and its association with the purity of the language, and how in the twentieth century an ascendant linguistic school – Prague Functionalism – developed into a progressive but centralizing ideology whose power base was inextricably linked to the communist regime. Bermel looks closely at the reforms of the 1990s and the heated public reaction to them. On the part of language regulators, he examines the ideology that underlay the reforms and the tactics employed on all sides to gain linguistic authority, while in dissecting the public reaction, he looks both at conscious arguments marshaled in favor of and against reform and at the use, conscious and subconscious, of metaphors about language.”

Ich grübele: Habe ich wirklich “Czech nation” gelesen? Zumindest einige Schlüsselbegriffe erinnern mich an viele Jahre in der German nation: “reform, “heated public reaction”, “tactics employed on all sides”, “metaphors about language”.

Es scheint, dass Eingriffe in Sprache und ihre Schreibung, grundsätzlich starke Reaktionen auslösen (müssen), denn : “Jede Sprache hat ihre eigene Rechtschreibung, die mit der Geschichte der Sprache gewachsen ist. Auch die deutsche. Sie ist ein Stück ihrer Identität.” (Horst Haider Munske)

Das Allensbach-Institut konstatierte noch 2004 hinsichtlich der Akzeptanz der Rechtschreibreform: “Immer größer wird dagegen der Anteil derer, die mit den Achseln zucken und sagen: “Ist mir egal”. Er liegt inzwischen [im Jahre 2004; Redaktion] bei 38 Prozent. 1997 sagten das nur 20 Prozent.” Es wäre interessant, wie die Zahl heute – 2013 – lautet:  50 Prozent? 60 Prozent? – “Alt” schreiben, “neu” schreiben – “geflamt ” wird wohl nicht mehr so, dass es zum orthographic war reichen würde.  Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.

 





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Andreas Cyffka | Kategorie: QUERPONS, SCHEINWERFER

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Heute ist Kalevala-Tag

28. Februar 2013

 

 

Am 28. Februar wird heute in Finnland der Kalevala-Tag gefeiert. Das Kalevala ist das finnische Nationalepos.

Worum es darin geht, beschreibt dieser hochinteressante (hoch interessante) Wikipedia-Artikel.

 


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Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES

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GASTBLOGGER: Robert Tonks

28. Februar 2013

Unsere im letzten Jahr begonnene Reihe GASTBLOGGER setzen wir in diesem Jahr fort. Den Auftakt macht heute:  ROBERT TONKS – der Mann, der mit seinen Büchern zum Thema “Denglisch” von sich reden macht.

Roberts Erstlingswerk “It is not all English what shines“ stieß im  deutschsprachigen Raum auf starke Resonanz.
Vor kurzem hat er ein weiteres Buch folgen lassen:

Denglisch in Pool Position – English makes German Werbung funny! 2

Einen Beitrag über Robert zeigte eben erst die ZDF Mediathek:

Auf PONS Deutschblog schreibt er heute unter anderem über den Denglisch-Klassiker TO GO.

 

Über die TOGO ROAD zum KLIMBINGPARK

Während die Sprachpuristinnen und -puristen den ihm innewohnenden
Niedergang von Deutsch als Heimatsprache beklagen, erkennen
die Kapitalismuskritikerinnen und –kritiker in ihm einen Ausdruck des
amerikanischen Kulturimperialismus und die Kommerzialisierung von
Sprache im Zuge der Globalisierung. Andere wiederum begrüßen es, dass mit
seiner Hilfe Deutsch so vielfältig und zukunftsfähig wird wie noch nie,
während Werbetexterinnen und -texter sowie Firmennamensgeberinnen und
–geber es ohne Rücksicht auf Verluste einsetzen. Schließlich finden es
Englischsprachige lustig. Die Rede ist von Denglisch.

Wie wird Denglisch bei Duden definiert?

Denglisch: Substantiv, Neutrum – Mischung aus Deutsch und Englisch;

denglisch: Adjektiv – deutsch mit [zu] vielen englischen Ausdrücken
vermischt

Apropos „mit [zu] vielen englischen Ausdrücken vermischt“: Neulich während
zweieinhalb Tagen als Tourist auf den Straßen von San Francisco
unterwegs las ich den Modebegriff „to go“ ganze zweimal: Ein „Coffee
to go“-Schild gab es am Flughafen und in der Innenstadt entdeckte ich
auch eins. An einem einzigen Abend vor einem Jahr mit amerikanischen
Freundinnen und Freunden auf den Straßen einer bundesdeutschen
Landeshauptstadt unterwegs hingegen zählten wir dreißig „to
go“-Schilder, darunter auch eins mit dem Logo im Schaufenster „Point
shop to go“. „Soll der Laden abgerissen werden“, fragte Cindy. (Anm. der
Red.: „to go“ heißt unter anderem „abzuschaffen“, „wird abgerissen“.)
„Und“, fuhr sie fort, „was verkauft er überhaupt für Punkte?“ Auf einer
Straße in Bahnhofsnähe fanden wir sogar 12 weitere Beispiele. Wir
staunten sowohl über ein „Kiosk to go“ (die abzureißende Bude wird wohl
Opfer der Stadtteilerneuerung) als auch über „TOGO 0,90 €“ schräg
gegenüber. Ein komplettes Land als Schnäppchen zum Mitnehmen also!

Wir tauften die Straße „Togo Road“. War unsere TOGO Straße in Düsseldorf
oder nicht doch in München, Dresden, Hamburg, Stuttgart oder sogar
Berlin? Die amerikanischen Gäste konnten sich am Ende ihrer
Deutschland-Reise gar nicht mehr erinnern. So viel zum erstrebten
Alleinstellungsmerkmal von Produkten und Dienstleistungen in der Werbung.

Denglisch war nie mein Thema. Dann bat mich einmal vor einigen Jahren
ein befreundeter Französischlehrer, einen Vortrag an der Volkshochschule
über die Verwendung von englischen Begriffen wie „sale“ in der Werbung
zu halten. Er hatte sich gerade über ein Schild in einem Schaufenster
gewundert, auf dem „Lingerie sale“ stand, was auf Französisch „schmutzige
Damenunterwäsche“ heißt.

Bloß, wo sollte ich anfangen? Bei meiner Auseinandersetzung mit der
Thematik begann ich mit meiner kürzlich verstorbenen Schwiegermutter
Liesel. Sie liebte Klamauk. Sie wurde 1920 in Duisburg-Alsum geboren, an
einem Ort, der sich im Wandel der Zeit zu einem Parkplatz von
Thyssen-Krupp Steel entwickelte. Dass Liesel „steel“ deutsch aussprach,
ist nicht rein zufällig: Wie die meisten Deutschen ihrer Generation
konnte sie ja kein Englisch. Als dann Liesel eines Sonntagnachmittags an einem großen Hinweisschild in den
Ruhrauen vorbeifahrend, das den neuen Kletterpark „ www.climbingpark.de“
auf Englisch ankündigte, laut und deutlich und phonetisch deutsch

„KLIMBINGPARK“

vorlas, verlor ich, der ja Liesel zum traditionellen Kaffee und Kuchen
mit dem Auto abholte,  fast die Kontrolle über das Fahrzeug. Wichtig an
den beiden Schlüsselerlebnissen auf meinem Weg über die TOGO ROAD zum
KLIMBINGPARK war:

Nun wusste ich endgültig, dass ich aus diesem Thema nur etwas Humoriges
für jung und alt machen kann.

 



Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, DEUTSCH IN DER WELT, GÄSTE IM DEUTSCHBLOG

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FACHCHINESISCH: Fracking

28. Februar 2013




Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FACHCHINESISCH

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