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Weil richtig schreiben wichtig ist

SCHÜLER MACHEN MEHR RECHTSCHREIBFEHLER

09. April 2013

Gelegentlich schafft es das Thema Rechtschreibung ja doch noch in die Medien. Wenn, dann meist als Schreckensmeldung – denn bekanntlich sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten. 

Nach Berichten des Spiegels hat Wolfgang Steinig, Professor für Germanistik an der Uni Siegen, Schulaufsätze aus drei Jahrzehnten miteinander verglichen. Das Fazit: Schüler machen heute mehr als doppelt so viele Rechtschreibfehler wie vor vierzig Jahren. “Die Ergebnisse sind dramatisch”, sagt der Professor.

Dreimal hat Steinig einen Kurzfilm Viertklässlern zeigen lassen, 1972, 2002 und 2012. Jedes Mal hatten die Schüler danach eine Schulstunde Zeit, darüber zu schreiben. Inhaltlich sollten die Lehrer keine Vorgaben machen.

Die Studie ist für Deutschland nicht repräsentativ, denn es haben nur Schüler aus zwei nordrhein-westfälischen Städten teilgenommen, dennoch liefert sie erstaunliche Ergebnisse:

- Die Rechtschreibfähigkeiten haben sich stark verschlechtert: 1972 kamen auf 100 Wörter im Mittel 6,94 Rechtschreibfehler, 2012 waren es 16,89 Fehler.

- Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, machten 2012 nur geringfügig mehr Fehler als Kinder, die einsprachig aufwachsen (16,54 Fehler versus 17,3 Fehler pro 100 Wörter). Zehn Jahre zuvor war die Diskrepanz hier noch höher (11,36 Fehler versus 14,92 Fehler pro 100 Wörter).

- Schüler gestalten ihre Texte heute anders als früher: 1972 berichteten sie vor allem, 2002 erzählten sie und 2012 kommentierten sie häufig. “Ich fant den Film gemein”, schrieb beispielsweise ein Schüler.

- Jungen machten schon immer etwas mehr Rechtschreibfehler als Mädchen.

- Die Kluft zwischen den sozialen Schichten hat sich vergrößert: Schüler aus der bildungsfernen Schicht machen heute wesentlich mehr Fehler als vor vierzig Jahren. 1972 waren es im Mittel 7,23 Fehler und jetzt 20,47 Fehler auf 100 Wörter.

Haben die Lehrer eine Mitschuld?  ”Viele legen heute mehr Wert aufs Lesen”, sagt die Schulforscherin Renate Valtin. Die Professorin gehörte 2006 zum Iglu-Wissenschaftlerteam, das damals auch bundesweit die Rechtschreibung von Grundschülern überprüft hat: In einem Test mit 35 Wörtern schrieben die Kinder im Durchschnitt beinahe die Hälfte falsch – damit waren die Ergebnisse immerhin noch etwas besser als in der ersten Iglu-Studie fünf Jahre zuvor. In vielen Schulen herrsche die Devise: Schreib, wie du sprichst, den Rest lernst du später, sagt Valtin. 

 



Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GELESEN, WISSENSWERTES


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