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Weil richtig schreiben wichtig ist

DAS DENGLISCH-DIPLOM

01. April 2015

monkeybob

 

Heute ist der erste April. Bei der Suche nach einem geeigneten Scherz kommt uns hier im Blog ein alter Bekannter zur Hilfe. Gastblogger und Denglisch-Experte Robert Tonks berichtet, wie aus einem Aprilscherz sein Denglisch-Diplom wurde. Tiefe Einblicke in die deutsch-denglischen Beziehungen geben uns außerdem die hochinteressanten Leserbriefe, die Robert freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Viel Spaß!

 

 

 

Ist das Denglisch-Diplom sexy?

Dass Englisch bzw. Denglisch die deutsche Werbung funny macht, habe ich bereits mit meinen drei Büchern belegt:
It is not all English what shines – English makes German Werbung Funny!

Denglisch in Pool Position – English makes German Werbung Funny! 2

THE DENGLISCH DOOSH READER 4 BAD & WORSE – English makes German Werbung Funny 3

Dann ging ich der Frage nach, ob Denglisch sexy ist und erfand außerdem – zunächst als Aprilscherz – das Denglisch-Diplom. Aus dem Scherz wurde ernst und die ersten – 30 an der Zahl – Denglisch-Diplom-Urkunden der Welt wurden nach 3 absolvierten Doppelstunden am 8. Dezember 2014 an der VHS Duisburg überreicht. Nun stellt sich folgerichtig die Frage, ob das erste Denglisch-Diplom der Welt ebenfalls sexy ist.

Das Denglisch-Diplom – eine Weltpremiere in den Medien

Wenn man das Denglisch-Diplom im Medienecho (z. B. hier) betrachtet, ahnt man, dass die Öffentlichkeit geradezu auf diese Weltpremiere gewartet hat.

 

Die Leserinnenbriefe
Was hat das Denglisch-Diplom gebracht? Seit der Einführung des 1. Denglisch-Diploms der Welt erhalte ich viel Post – von Frauen.
Ist Sprache Frauensache? Es heißt ja auch „Muttersprache“. Tja. Hier eine kleine Auswahl der Leserinnenbriefe:
Betr.: „Sie berichtet an“
Hallo Robert,

vielen Dank dafür, daß endlich mal jemand diesem Denglisch-Wahn eine
Bühne gibt. Mir persönlich verursacht es immer ein flaues Gefühl im
Magen, wenn ich Stellenausschreibungen sehe, bei denen steht: xy berichtet
an z. Wurde da nur “to report to” – jmd. unterstellt sein – “ge-denglischt?”
Gerne möchte ich nachfragen, was denn genau berichtet wird, vielleicht auch
die letzten Wasserstandsmeldungen? Dazu werde ich wohl keine Antwort
erhalten… . Wie ist Deine Meinung dazu? Eine kurze Rückmeldung fände ich
toll.

Viele Grüße

Sandra

Betr.: „Bye-byechen am Ende des Tages“
Hallo Sandra,

herzlichen Dank für Deine Nachricht.

Das Alltagsdeutsch ist mittlerweile voller eingedenglischter Begriffe, also speziell auch hier wie in Deinem Beispiel, abgewandelter englischer Wendungen wie “to report to”. Dieses Beispiel übertragen als “an jemanden berichten” (statt “jemandem unterstellt sein”) finde ich in der Tat sehr weit hergeholt.

Hier – spontan – einige weitere Beispiele, die noch vor 20 Jahren vielleicht aufgefallen wären, aber heute kaum auffallen:

- „am Ende des Tages“ (at the end of the day) statt vielleicht “alles in allem” oder “unter dem Strich”;
- „in 2015“ (in 2015) statt “im Jahre 2015″, oder einfach „2015“ ohne Präposition;
- „in Deutsch“ (in German) statt “auf Deutsch” oder “im Deutschen”.

“Wie cool ist das denn?” (how cool is that?) oder das lang gezogene „OKEEE“ statt “das sehe ich zwar anders aber … ” fallen mir ebenfalls dazu ein. Ich warte auf „Bye-byechen“ statt “Tschüßchen”, was im niederrheinischen Grenzraum „gerade um die Ecke“ ist (just around the corner statt „bald“).
CU (statt “bis bald”) und “bye-byetjes“ , wie sich eine niederländische Cousine neulich von mir verabschiedete.
Robert

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Betr.: „Girls just wanna have fun“
Hallo Robert,
warum interessieren sich mehrheitlich Frauen für das Denglisch-Diplom?
1. Über eine Menge Spaß hinaus was haben die Absolventinnen (und Absolventen) ansonsten vom Kurs und Abschluss? Fassen wir die Erfahrungen mit dem 1. Denglisch-Diplomkurs der Welt zusammen, kurz und prägnant, also: Wenn frau (man) das Denglisch-Diplom hat, kann frau (man) – wie beim Jodel-Diplom von Loriot – sagen, dann habe frau (man) was in der Tasche.
2. Oder, wie Tina (47 J), eine der ersten Denglisch-Diplomandinnen der Welt bei der feierlichen Urkundenübergabe durch die Queen (alias Bob Clark, 66 J), ihr im Kurs entwickeltes Cocktailgetränk “Pool Position” schlürfend, sagte: „Ich werde die Urkunde zur allgemeinen Bewunderung einrahmen und im Büro an die Wand hängen“.
3. Im Gegensatz zum universitären, maskulinen Bachelor und Master ist das nach deiner Methode “Learning By Laughing” entwickelte Denglisch-Diplom nicht nur zum Schreien komisch, sondern auch ein Neutrum und damit inklusiv, weil es den„“Gendertest“ besteht. Da hast Du sozusagen mit Augenzwinkern das politisch Korrekte erst einmal gelöst. Bravo!
4. „Schließlich“, meinte eine Kommilitonin Kirstin (18 J), „macht sich der akademische Grad – in Kurzform ‚Dipl.-Deng.‘ – gut im Lebenslauf und eignet sich außerdem zum Beispiel für den Hochschulzugang,

Aber wenn ich einwandfreies Englisch im Seminar an der Universität oder in der Mensa spreche, falle ich unangenehm auf. Dort ist Denglisch zur Verkehrssprache avanciert. Englisch ist nicht mehr sexy!
Liebe Grüße
Sabine (20 J)

Betr.: „short and pregnant“
Hallo Sabine,
ich freue mich, dass der Denglisch-Diplom-Kurs Dich nicht nur erheitert, sondern auch weiter gebracht hat. Dein Englisch ist in der Tat einwandfrei – in Wort und Schrift. Das zeichnet Dich aus.
Neulich am internationalen Flughafen. Ein Telefonladen nennt sich „Handy Agent“. Was sollen englischsprechende Reisende davon halten? James Bond – 007, der praktische Agent lässt grüßen? Lass Dich nicht von der „Handyagentfraktion“ einschüchtern, die nicht weiß, dass „a handy flat“ kein Telefontarif, sondern eine praktische Wohnung ist. Ich kenne welche, die glauben, dass „to simse“ (= simsen) ein englisches Wort ist. Du weißt hingegen, dass das passende Verb „to text“ oder „to text message“ heißt. Dass auf Englisch ein navvy ein ungelernter Arbeiter und kein Navigationsgerät ist, wissen nur wenige. Ein solches Gerät heißt auf Englisch „sat nav“- auch das weißt du. „I’ve got a beamer“, antworte ich, als du mich fragtest, was ich für einen Wagen habe. Du wusstest, dass es sich dabei nicht um einen Digitalprojektor (engl.: digital projector) handelt. „We British love German cars like BMWs“, führte ich aus.
Deine Sorge um Denglisch als lingua franca an der Uni ist nicht unberechtigt. Wie viele Professorinnen und Professoren, sowie Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen aller Stufen hierzulande sind in der Lage einwandfreies Englisch zu sprechen und vor allem zu schreiben !?! Was dabei am Ende sprachlich raus kommt, wird eine weitere Variante von „Global English“.
Ich habe bereits im Rahmen von EU-Projekten mehrfach transnational besetzte Workshops mit Englisch als Verkehrssprache erlebt, bei denen die einzigen, die nicht verstanden wurden, meine britischen Landsleute waren! Zahlreiche fremdsprachlich unbegabte und ungeübte Muttersprachlerinnen und Muttersprachler des Englischen beherrschen „Global English“ nicht – und Denglisch auch nicht. Ihr Englisch ist zudem häufig regional gefärbt und für Denglischsprechende nicht verständlich. „Global English“ macht zwar die Kommunikation weltweit möglich. Aber die Kehrseite ihrer Verbreitung kann unter gewissen Umständen in einem Zusammenbruch der Kommunikation enden.
Apropos gewisse Umstände: Es gibt an den hiesigen Universitäten tatsächlich Umstände, denen man sich stellen muss. Voraussichtlich werden demnächst an deutschen Hochschulen alle Fächer auf Denglisch angeboten. Wird das Denglisch-Diplom dann zu einer weiteren Hochschulzugangsberechtigung – nicht zuletzt für die Lehrenden? Ein Münchener Professor (65 J) fasste seine Thesen über die Zukunft des globalen Marketings vor Bachelor-Studierenden kürzlich in einem Seminar auf Denglisch zusammen: „Short and pregnant“, fing er an. Wen meinte er mit dieser Ansprache bloß? Meine Umschau im Seminarraum nach einer kleinwüchsigen Frau in Umständen blieb ergebnislos. Der Professor muss Intimkenntnisse der Schwangeren gehabt haben. Die ausgelösten, hochgradig ansteckenden hysterischen Anfälle der Austauschstudierenden aus den USA wiederholten sich wellenförmig an dem Nachmittag solange, bis sich der Professor ahnungslos geschlagen gab und den Hörsaal verließ.
„Short and pregnant, sweetheart“
Schöne Grüße
Robert (60 J)
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Betr.: Selbst gegendert wird auf Denglisch
Hallo Robert,
wieso gendert man in Deutschland auf Denglisch?
Das Verb “gendern”

Singular: ich gendere, du genderst, er/sie/es gendert
Plural: wir gendern, ihr gendert, Sie gendern
Substantiviertes Verb: „das Gendern“
Bedeutung: aus dem Verb “gendermainstreamen” (Engl.: „to gender mainstream“) abgeleitet heißt das “Gendern” die Durchsetzung der weiblichen Schreibweise in der deutschen Sprache.

Beispiel: der Student (maskulin), die Studentin (feminin); der/die Studierende

Adjektiv: gegendert, gendernd
Wieso hängt die Durchsetzung der weiblichen Schreibweise in der deutschen Sprache von einem denglischen Begriff ab? Und haben Sie sich auch gewundert, dass die weibliche Schreibweise, bzw. – auf Denglisch – „das Gendern“, das hierzulande weitestgehend gesamtgesellschaftlich vorgeschrieben wird, ausgerechnet vor denglischsprachigen Abschlüssen an den Universitäten halt macht? Wie macho ist das denn? Haben die Gleichstellungsbeauftragen an den Unis und in den Bildungsministerien der Bundesländer geschlafen? Könnte man schließlich das Denglisch-Diplom dem Denglisch-Trend unter Berücksichtigung der hiesigen weiblichen Schreibweise nicht anpassen, bzw. abschaffen, und durch gegenderte Bachelor und Master ersetzen?
Ihre Meinung hierzu würde mich interessieren.
Freundliche Grüsse
Susannne

Betr.: Hat es sich beim Bachelor und Master augegendert?
Liebe Susanne,
herzlichen Dank für die Fragen. Hierzulande ist vieles möglich.
Prophylaktisch erfinde ich deshalb als nächstes die/den Denglisch-Bächelörin/Bachelor und die/den Denglisch-Mästerin/Master. Wir gendern sie einfach. Geht doch. Oder hat es sich ausgegendert? „Aber Englisch muss man nicht gendern”, höre ich immer wieder. “Und die Bachelor und Master kommen doch aus England, oder – was ist daran Denglisch?“, fragen die Leute, etwas erstaunt. Deshalb bitte weiter lesen.
„Ist Kathrin neuerdings ein Männer-Name oder haben Sie eine Geschlechtsumwandlung hinter sich?“, fragte ich Kathrin, als sie sich wie folgt vorstellte:
„Hi, I’m Kathrin, I’m a bachelor“ (= Ich bin Junggeselle).
Bachelor-Abschlüsse werden in Großbritannien in Bachelor of Science (BSC), primär für Naturwissenschaften, oder Bachelor of Arts (BA), primär für Geisteswissenschaften, unterteilt. Außerdem bin ich nicht mein Abschluss, sondern ich habe ihn.
Der geeignetere Satz für Kathrin wäre: “I have a BA (in History)” oder “I have a BSC (in Biology) oder “I have a bachelor degree in …”.
Im Gegensatz zum ins Deutsche importierte Wort Bachelor, hat der Begriff im Englischen also eine andere, dominante Bedeutung als Junggeselle.
„I’m making my master“ (= Ich baue mir meinen eigenen Herrscher)
behauptete Kevin neulich nach einem Vortrag. Ich fragte ihn, nach welchem Baukastensystem er seinen ersehnten Herrscher herstellt. Vor meinem geistigen Auge sehe ich, wie Kevin sein zusammengeschraubtes, frankensteinähnliches Monster mit der Ansprache anbetet: „Master!“ Wie schräg ist dass denn? Die Horror-Show lässt grüßen!
Master-Abschlüsse werden in Großbritannien in Master of Science (MSC), primär für Naturwissenschaften, oder Master of Arts (MA), primär für Geisteswissenschaften unterteilt. Außerdem kann “make” (= machen) häufig mit herstellen / produzieren / bauen verwechselt werden. ¬¬¬¬¬¬¬
Der geeignetere Satz für Kevin wäre: “I am doing /studying for / an MA (in History)” oder “I am doing /studying for / an MSC (in Biology) oder “I am doing /studying for / a master degree in …”.
Im Gegensatz zum ins Deutsche importierte Wort Master, hat dieser Bergriff im Englischen andere, häufig verwendete Bedeutungen als Herrscher, aber auch Meister.
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NEW: Der Best-of-Sexy-Denglisch-Award

Den ersten „Best-of-Sexy-Denglisch-Award“ der Welt habe ich aus Beispielen zusammengestellt, die ich den zahlreichen Leserinnenbriefen entnehmen konnte, die ich seit Beginn des Projekts „It is not all English what shines!“ 2010 erhielt Hier die Ergebnisse:

Platz 3: Der Vorschlag von Sabine (28 J)

„Staun-BH“

aus „Wonder bra“ zu machen, ist nicht schlecht, hat sich aber nicht durchgesetzt.

Platz 2: Der Vorschlag von Helga (53 J) heißt

„Glubbererinnen“

Der Begriff „Glubberer“ oder „Clubberer“ leitet sich aus dem Begriff „Club“ ab, gehört längst zum Regionaldialekt und verfügt über eine lange Historie. Der Sport- bzw. Fußball-Club „1. FC Nürnberg Verein für Leibesübungen e. V.“, allgemein bekannt als 1. FC Nürnberg (kurz: 1. FCN oder „der Club“), ist ein traditionsreicher Fußballverein aus Nürnberg, der am 4. Mai 1900 gegründet wurde. Die Fans des FC Nürnberg, die auch Cluberer, Clubberer oder Glubberer genannt werden, sind bei den Heimspielen in der Nordkurve des easyCredit-Stadions beheimatet. Es gibt selbtverständlich auch „Glubbererinnen“. Eingedeutschter – oder eingefränkter – geht es wohl kaum!

Platz 1: Der Vorschlag von Gertrud (87 J) lautet
„Pool Position“
Der „Best-of-Sexy-Denglisch-Begriff“ kommt aus dem Sport aber nicht aus Bayern, – sorry Franken -, obwohl „Gluberrerinnen“ wirklich ein cooler Begriff ist. Bei den Leserinnenbriefen haben wir ein unglaublich vielfältiges Sprachgemenge und reichlich Erfindungsreichtum vorgefunden. Auch zahlreiche Sinnentstellungen in den unterschiedlichen Erlebniswelten waren bemerkenswert. Dabei ist „pool position“ nicht zu schlagen. Als die Pole-Position, laut Duden auch Poleposition, oder verkürzt die Pole (engl. = Stange, Pfahl) bezeichnet man im Rennsport, z. B. bei Auto- und Motorradrennen, den Startplatz in der ersten Startreihe, der für die Teilnehmer am vorteilhaftesten ist und für den man sich vor dem jeweiligen Rennen qualifizieren muss.
Der „Best-of-Sexy-Denglisch-Award“ geht an Gertrud (87 Jahre jung) und all die, die den Titel meines zweiten Buches „Denglisch in Pool Position“

http://www.robert-tonks.de/das-zweite-buch

sowiw auch das Lied „Pool Position“ vom Anke Johannsen und Robert Tonks

verantworten, indem sie fälschlicherweise „pool“ statt „pole position“ sagen oder schreiben. Mit „pool position“ assoziiert die Muttersprachlerin und der Muttersprachler des Englischen etwa einen Fachbegriff aus dem amerikanischen Poolbillard oder aber eine Lage im oder am „swimming pool“ oder „whirl pool“, vielleicht sogar
eine Kamasutra-Stellung unter Wasser.

COMING SOON: Die Mega Errotic Discounterin


Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GÄSTE IM DEUTSCHBLOG


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