Deutschblog

Weil richtig schreiben wichtig ist

DAS DENGLISCH-DIPLOM

01. April 2015

monkeybob

 

Heute ist der erste April. Bei der Suche nach einem geeigneten Scherz kommt uns hier im Blog ein alter Bekannter zur Hilfe. Gastblogger und Denglisch-Experte Robert Tonks berichtet, wie aus einem Aprilscherz sein Denglisch-Diplom wurde. Tiefe Einblicke in die deutsch-denglischen Beziehungen geben uns außerdem die hochinteressanten Leserbriefe, die Robert freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Viel Spaß!

 

 

 

Ist das Denglisch-Diplom sexy?

Dass Englisch bzw. Denglisch die deutsche Werbung funny macht, habe ich bereits mit meinen drei Büchern belegt:
It is not all English what shines – English makes German Werbung Funny!

Denglisch in Pool Position – English makes German Werbung Funny! 2

THE DENGLISCH DOOSH READER 4 BAD & WORSE – English makes German Werbung Funny 3

Dann ging ich der Frage nach, ob Denglisch sexy ist und erfand außerdem – zunächst als Aprilscherz – das Denglisch-Diplom. Aus dem Scherz wurde ernst und die ersten – 30 an der Zahl – Denglisch-Diplom-Urkunden der Welt wurden nach 3 absolvierten Doppelstunden am 8. Dezember 2014 an der VHS Duisburg überreicht. Nun stellt sich folgerichtig die Frage, ob das erste Denglisch-Diplom der Welt ebenfalls sexy ist.

Das Denglisch-Diplom – eine Weltpremiere in den Medien

Wenn man das Denglisch-Diplom im Medienecho (z. B. hier) betrachtet, ahnt man, dass die Öffentlichkeit geradezu auf diese Weltpremiere gewartet hat.

 

Die Leserinnenbriefe
Was hat das Denglisch-Diplom gebracht? Seit der Einführung des 1. Denglisch-Diploms der Welt erhalte ich viel Post – von Frauen.
Ist Sprache Frauensache? Es heißt ja auch „Muttersprache“. Tja. Hier eine kleine Auswahl der Leserinnenbriefe:
Betr.: „Sie berichtet an“
Hallo Robert,

vielen Dank dafür, daß endlich mal jemand diesem Denglisch-Wahn eine
Bühne gibt. Mir persönlich verursacht es immer ein flaues Gefühl im
Magen, wenn ich Stellenausschreibungen sehe, bei denen steht: xy berichtet
an z. Wurde da nur “to report to” – jmd. unterstellt sein – “ge-denglischt?”
Gerne möchte ich nachfragen, was denn genau berichtet wird, vielleicht auch
die letzten Wasserstandsmeldungen? Dazu werde ich wohl keine Antwort
erhalten… . Wie ist Deine Meinung dazu? Eine kurze Rückmeldung fände ich
toll.

Viele Grüße

Sandra

Betr.: „Bye-byechen am Ende des Tages“
Hallo Sandra,

herzlichen Dank für Deine Nachricht.

Das Alltagsdeutsch ist mittlerweile voller eingedenglischter Begriffe, also speziell auch hier wie in Deinem Beispiel, abgewandelter englischer Wendungen wie “to report to”. Dieses Beispiel übertragen als “an jemanden berichten” (statt “jemandem unterstellt sein”) finde ich in der Tat sehr weit hergeholt.

Hier – spontan – einige weitere Beispiele, die noch vor 20 Jahren vielleicht aufgefallen wären, aber heute kaum auffallen:

- „am Ende des Tages“ (at the end of the day) statt vielleicht “alles in allem” oder “unter dem Strich”;
- „in 2015“ (in 2015) statt “im Jahre 2015″, oder einfach „2015“ ohne Präposition;
- „in Deutsch“ (in German) statt “auf Deutsch” oder “im Deutschen”.

“Wie cool ist das denn?” (how cool is that?) oder das lang gezogene „OKEEE“ statt “das sehe ich zwar anders aber … ” fallen mir ebenfalls dazu ein. Ich warte auf „Bye-byechen“ statt “Tschüßchen”, was im niederrheinischen Grenzraum „gerade um die Ecke“ ist (just around the corner statt „bald“).
CU (statt “bis bald”) und “bye-byetjes“ , wie sich eine niederländische Cousine neulich von mir verabschiedete.
Robert

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Betr.: „Girls just wanna have fun“
Hallo Robert,
warum interessieren sich mehrheitlich Frauen für das Denglisch-Diplom?
1. Über eine Menge Spaß hinaus was haben die Absolventinnen (und Absolventen) ansonsten vom Kurs und Abschluss? Fassen wir die Erfahrungen mit dem 1. Denglisch-Diplomkurs der Welt zusammen, kurz und prägnant, also: Wenn frau (man) das Denglisch-Diplom hat, kann frau (man) – wie beim Jodel-Diplom von Loriot – sagen, dann habe frau (man) was in der Tasche.
2. Oder, wie Tina (47 J), eine der ersten Denglisch-Diplomandinnen der Welt bei der feierlichen Urkundenübergabe durch die Queen (alias Bob Clark, 66 J), ihr im Kurs entwickeltes Cocktailgetränk “Pool Position” schlürfend, sagte: „Ich werde die Urkunde zur allgemeinen Bewunderung einrahmen und im Büro an die Wand hängen“.
3. Im Gegensatz zum universitären, maskulinen Bachelor und Master ist das nach deiner Methode “Learning By Laughing” entwickelte Denglisch-Diplom nicht nur zum Schreien komisch, sondern auch ein Neutrum und damit inklusiv, weil es den„“Gendertest“ besteht. Da hast Du sozusagen mit Augenzwinkern das politisch Korrekte erst einmal gelöst. Bravo!
4. „Schließlich“, meinte eine Kommilitonin Kirstin (18 J), „macht sich der akademische Grad – in Kurzform ‚Dipl.-Deng.‘ – gut im Lebenslauf und eignet sich außerdem zum Beispiel für den Hochschulzugang,

Aber wenn ich einwandfreies Englisch im Seminar an der Universität oder in der Mensa spreche, falle ich unangenehm auf. Dort ist Denglisch zur Verkehrssprache avanciert. Englisch ist nicht mehr sexy!
Liebe Grüße
Sabine (20 J)

Betr.: „short and pregnant“
Hallo Sabine,
ich freue mich, dass der Denglisch-Diplom-Kurs Dich nicht nur erheitert, sondern auch weiter gebracht hat. Dein Englisch ist in der Tat einwandfrei – in Wort und Schrift. Das zeichnet Dich aus.
Neulich am internationalen Flughafen. Ein Telefonladen nennt sich „Handy Agent“. Was sollen englischsprechende Reisende davon halten? James Bond – 007, der praktische Agent lässt grüßen? Lass Dich nicht von der „Handyagentfraktion“ einschüchtern, die nicht weiß, dass „a handy flat“ kein Telefontarif, sondern eine praktische Wohnung ist. Ich kenne welche, die glauben, dass „to simse“ (= simsen) ein englisches Wort ist. Du weißt hingegen, dass das passende Verb „to text“ oder „to text message“ heißt. Dass auf Englisch ein navvy ein ungelernter Arbeiter und kein Navigationsgerät ist, wissen nur wenige. Ein solches Gerät heißt auf Englisch „sat nav“- auch das weißt du. „I’ve got a beamer“, antworte ich, als du mich fragtest, was ich für einen Wagen habe. Du wusstest, dass es sich dabei nicht um einen Digitalprojektor (engl.: digital projector) handelt. „We British love German cars like BMWs“, führte ich aus.
Deine Sorge um Denglisch als lingua franca an der Uni ist nicht unberechtigt. Wie viele Professorinnen und Professoren, sowie Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen aller Stufen hierzulande sind in der Lage einwandfreies Englisch zu sprechen und vor allem zu schreiben !?! Was dabei am Ende sprachlich raus kommt, wird eine weitere Variante von „Global English“.
Ich habe bereits im Rahmen von EU-Projekten mehrfach transnational besetzte Workshops mit Englisch als Verkehrssprache erlebt, bei denen die einzigen, die nicht verstanden wurden, meine britischen Landsleute waren! Zahlreiche fremdsprachlich unbegabte und ungeübte Muttersprachlerinnen und Muttersprachler des Englischen beherrschen „Global English“ nicht – und Denglisch auch nicht. Ihr Englisch ist zudem häufig regional gefärbt und für Denglischsprechende nicht verständlich. „Global English“ macht zwar die Kommunikation weltweit möglich. Aber die Kehrseite ihrer Verbreitung kann unter gewissen Umständen in einem Zusammenbruch der Kommunikation enden.
Apropos gewisse Umstände: Es gibt an den hiesigen Universitäten tatsächlich Umstände, denen man sich stellen muss. Voraussichtlich werden demnächst an deutschen Hochschulen alle Fächer auf Denglisch angeboten. Wird das Denglisch-Diplom dann zu einer weiteren Hochschulzugangsberechtigung – nicht zuletzt für die Lehrenden? Ein Münchener Professor (65 J) fasste seine Thesen über die Zukunft des globalen Marketings vor Bachelor-Studierenden kürzlich in einem Seminar auf Denglisch zusammen: „Short and pregnant“, fing er an. Wen meinte er mit dieser Ansprache bloß? Meine Umschau im Seminarraum nach einer kleinwüchsigen Frau in Umständen blieb ergebnislos. Der Professor muss Intimkenntnisse der Schwangeren gehabt haben. Die ausgelösten, hochgradig ansteckenden hysterischen Anfälle der Austauschstudierenden aus den USA wiederholten sich wellenförmig an dem Nachmittag solange, bis sich der Professor ahnungslos geschlagen gab und den Hörsaal verließ.
„Short and pregnant, sweetheart“
Schöne Grüße
Robert (60 J)
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Betr.: Selbst gegendert wird auf Denglisch
Hallo Robert,
wieso gendert man in Deutschland auf Denglisch?
Das Verb “gendern”

Singular: ich gendere, du genderst, er/sie/es gendert
Plural: wir gendern, ihr gendert, Sie gendern
Substantiviertes Verb: „das Gendern“
Bedeutung: aus dem Verb “gendermainstreamen” (Engl.: „to gender mainstream“) abgeleitet heißt das “Gendern” die Durchsetzung der weiblichen Schreibweise in der deutschen Sprache.

Beispiel: der Student (maskulin), die Studentin (feminin); der/die Studierende

Adjektiv: gegendert, gendernd
Wieso hängt die Durchsetzung der weiblichen Schreibweise in der deutschen Sprache von einem denglischen Begriff ab? Und haben Sie sich auch gewundert, dass die weibliche Schreibweise, bzw. – auf Denglisch – „das Gendern“, das hierzulande weitestgehend gesamtgesellschaftlich vorgeschrieben wird, ausgerechnet vor denglischsprachigen Abschlüssen an den Universitäten halt macht? Wie macho ist das denn? Haben die Gleichstellungsbeauftragen an den Unis und in den Bildungsministerien der Bundesländer geschlafen? Könnte man schließlich das Denglisch-Diplom dem Denglisch-Trend unter Berücksichtigung der hiesigen weiblichen Schreibweise nicht anpassen, bzw. abschaffen, und durch gegenderte Bachelor und Master ersetzen?
Ihre Meinung hierzu würde mich interessieren.
Freundliche Grüsse
Susannne

Betr.: Hat es sich beim Bachelor und Master augegendert?
Liebe Susanne,
herzlichen Dank für die Fragen. Hierzulande ist vieles möglich.
Prophylaktisch erfinde ich deshalb als nächstes die/den Denglisch-Bächelörin/Bachelor und die/den Denglisch-Mästerin/Master. Wir gendern sie einfach. Geht doch. Oder hat es sich ausgegendert? „Aber Englisch muss man nicht gendern”, höre ich immer wieder. “Und die Bachelor und Master kommen doch aus England, oder – was ist daran Denglisch?“, fragen die Leute, etwas erstaunt. Deshalb bitte weiter lesen.
„Ist Kathrin neuerdings ein Männer-Name oder haben Sie eine Geschlechtsumwandlung hinter sich?“, fragte ich Kathrin, als sie sich wie folgt vorstellte:
„Hi, I’m Kathrin, I’m a bachelor“ (= Ich bin Junggeselle).
Bachelor-Abschlüsse werden in Großbritannien in Bachelor of Science (BSC), primär für Naturwissenschaften, oder Bachelor of Arts (BA), primär für Geisteswissenschaften, unterteilt. Außerdem bin ich nicht mein Abschluss, sondern ich habe ihn.
Der geeignetere Satz für Kathrin wäre: “I have a BA (in History)” oder “I have a BSC (in Biology) oder “I have a bachelor degree in …”.
Im Gegensatz zum ins Deutsche importierte Wort Bachelor, hat der Begriff im Englischen also eine andere, dominante Bedeutung als Junggeselle.
„I’m making my master“ (= Ich baue mir meinen eigenen Herrscher)
behauptete Kevin neulich nach einem Vortrag. Ich fragte ihn, nach welchem Baukastensystem er seinen ersehnten Herrscher herstellt. Vor meinem geistigen Auge sehe ich, wie Kevin sein zusammengeschraubtes, frankensteinähnliches Monster mit der Ansprache anbetet: „Master!“ Wie schräg ist dass denn? Die Horror-Show lässt grüßen!
Master-Abschlüsse werden in Großbritannien in Master of Science (MSC), primär für Naturwissenschaften, oder Master of Arts (MA), primär für Geisteswissenschaften unterteilt. Außerdem kann “make” (= machen) häufig mit herstellen / produzieren / bauen verwechselt werden. ¬¬¬¬¬¬¬
Der geeignetere Satz für Kevin wäre: “I am doing /studying for / an MA (in History)” oder “I am doing /studying for / an MSC (in Biology) oder “I am doing /studying for / a master degree in …”.
Im Gegensatz zum ins Deutsche importierte Wort Master, hat dieser Bergriff im Englischen andere, häufig verwendete Bedeutungen als Herrscher, aber auch Meister.
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NEW: Der Best-of-Sexy-Denglisch-Award

Den ersten „Best-of-Sexy-Denglisch-Award“ der Welt habe ich aus Beispielen zusammengestellt, die ich den zahlreichen Leserinnenbriefen entnehmen konnte, die ich seit Beginn des Projekts „It is not all English what shines!“ 2010 erhielt Hier die Ergebnisse:

Platz 3: Der Vorschlag von Sabine (28 J)

„Staun-BH“

aus „Wonder bra“ zu machen, ist nicht schlecht, hat sich aber nicht durchgesetzt.

Platz 2: Der Vorschlag von Helga (53 J) heißt

„Glubbererinnen“

Der Begriff „Glubberer“ oder „Clubberer“ leitet sich aus dem Begriff „Club“ ab, gehört längst zum Regionaldialekt und verfügt über eine lange Historie. Der Sport- bzw. Fußball-Club „1. FC Nürnberg Verein für Leibesübungen e. V.“, allgemein bekannt als 1. FC Nürnberg (kurz: 1. FCN oder „der Club“), ist ein traditionsreicher Fußballverein aus Nürnberg, der am 4. Mai 1900 gegründet wurde. Die Fans des FC Nürnberg, die auch Cluberer, Clubberer oder Glubberer genannt werden, sind bei den Heimspielen in der Nordkurve des easyCredit-Stadions beheimatet. Es gibt selbtverständlich auch „Glubbererinnen“. Eingedeutschter – oder eingefränkter – geht es wohl kaum!

Platz 1: Der Vorschlag von Gertrud (87 J) lautet
„Pool Position“
Der „Best-of-Sexy-Denglisch-Begriff“ kommt aus dem Sport aber nicht aus Bayern, – sorry Franken -, obwohl „Gluberrerinnen“ wirklich ein cooler Begriff ist. Bei den Leserinnenbriefen haben wir ein unglaublich vielfältiges Sprachgemenge und reichlich Erfindungsreichtum vorgefunden. Auch zahlreiche Sinnentstellungen in den unterschiedlichen Erlebniswelten waren bemerkenswert. Dabei ist „pool position“ nicht zu schlagen. Als die Pole-Position, laut Duden auch Poleposition, oder verkürzt die Pole (engl. = Stange, Pfahl) bezeichnet man im Rennsport, z. B. bei Auto- und Motorradrennen, den Startplatz in der ersten Startreihe, der für die Teilnehmer am vorteilhaftesten ist und für den man sich vor dem jeweiligen Rennen qualifizieren muss.
Der „Best-of-Sexy-Denglisch-Award“ geht an Gertrud (87 Jahre jung) und all die, die den Titel meines zweiten Buches „Denglisch in Pool Position“

http://www.robert-tonks.de/das-zweite-buch

sowiw auch das Lied „Pool Position“ vom Anke Johannsen und Robert Tonks

verantworten, indem sie fälschlicherweise „pool“ statt „pole position“ sagen oder schreiben. Mit „pool position“ assoziiert die Muttersprachlerin und der Muttersprachler des Englischen etwa einen Fachbegriff aus dem amerikanischen Poolbillard oder aber eine Lage im oder am „swimming pool“ oder „whirl pool“, vielleicht sogar
eine Kamasutra-Stellung unter Wasser.

COMING SOON: Die Mega Errotic Discounterin

Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, GÄSTE IM DEUTSCHBLOG | Kommentare deaktiviert

GASTBLOG: IST DENGLISCH SEXY?

27. Mai 2014

Camera

Ist Englisch sexy? Ist Denglisch sexy? Robert Tonks  - Denglisch-Experte und Gastblogger – hat dazu eine klare Meinung.

 

 

Dass Denglisch die deutsche Werbung lustig macht, habe ich in meinen drei Büchern längst belegt:
“It is not all English what shines – English makes German Werbung funny!”

“Denglisch in Pool Position – English makes German Werbung funny! 2″

“THE DENGLISCH DOOSH READER 4 THE BAD & WORSE – English makes German Werbung funny! 3″

 

Camera

 

Jetzt kommt ein weiterer Höhepunkt – Ich habe es nun endlich offiziell: Englisch ist sexy!

“Herr Wachtmeister, nehmen Sie doch den Besitzer dieses Schaufensters in Haft. Er ruft die Bevölkerung zu einer Gewalttat auf. Auf dem Plakat steht: Treten Sie ein Loch in den Lautsprecher und sprengen Sie den ganzen Laden in die Luft”. Auf meine Empörung reagierte der junge Polizeibeamte, ein cooler Typ, gelassen: “Das liest doch keiner. Es ist eben Englisch. Was es heißt, interessiert keinen. Englisch ist sexy, sagt man, oder?”. Tja.

Aber macht Denglisch die deutsche Werbung sexy?
Ein deutscher Werbefachmann meinte neulich im Gespräch mit mir, man komme nicht mehr an Englisch vorbei: “Nehmen wir das Wort “Sale” “, meinte er “das man ganzjährig und überall im deutschen Einzelhandel liest. Das heißt doch Schlussverkauf. Es kann nicht sein, dass der komplette deutsche Einzelhandel nur noch aus dem Schlussverkauf besteht”. Er fasste zusammen: “Deutsch ist out, langweilig. Englisch ist eben sexy. Was da steht, ist ziemlich egal.” Reicht schon die inhaltlose Außenschale des vermeintlich Englischen?
In der deutschen Werbung gelten scheinbar seit geraumer Zeit drei Grundsätze: „Sex sells“. “Success sells”. „Denglish sells“.
Nirgendwo gelingt die Kombination der drei Formeln, wie auf dem Werbeplakat, auf dem sich drei selbstbewusst wirkende, in Sexy-Unterwäsche gekleidete, junge Frauen mit dem denglischen Spruch „Hello Day – Tschüss Langweiler“ lasziv in die Kamera schauend zum Besten geben (s. Foto). Erfolgreiche junge Frauen mit Sexappeal grüßen den Tag auf Englisch und verabschieden sich von Langweilern auf Deutsch.

Camera

Auf wen wirkt diese Werbung? Auf junge Deutsche mit Englischkenntnissen, auch solche mit geringen Denglischkenntnissen? Ich habe sie gefragt. Viele junge Menschen finden das Bild ansprechend und den Spruch „passend“, „cool“, „sexy“, „normal“. Andere finden das Bild „sexistisch“ und den Spruch „0-8-15-Denglisch“.
Ich habe das Plakat spaßeshalber sozusagen kulturell umgedreht und mit einer „Übersetzung“ des Werbespruchs versehen: „Guten Tag – Bye-bye Bores“ und dann meinen britischen Landsleuten und amerikanischen Verwandten und Freunden gezeigt. Die Reaktion auf das Bild war, wie bei den Deutschen geteilt; die Reaktion auf den übersetzten Spruch war gleich Null. Auch die Reaktion auf den Originalspruch lässt sich durchgehend als stumm bezeichnen.
Diese Nichtreaktion wundert kaum, da weder der eine noch der andere Spruch von Englisch sprechenden Menschen ohne Deutschkenntnisse verstanden werden kann. Selbst wenn englische Muttersprachlerinnen und Muttersprachler die beiden Sprüche als deutschhaltig erkennen, gilt Deutsch im angelsächsischen Raum bestenfalls in den Bereichen Auto und Fußball als „sexy“, aber sonst kaum. „Vorsprung durch Technik“, den Werbespruch von Audi, oder “Volkswagen – Das Auto”, finden zum Beispiel meine Landsleute „cool“, „sexy“ und assoziieren Deutsch mit „Technik“ und “erfolgreich”. Die genaue Bedeutung der Sprüche interessiert sie nicht.
Wenden wir uns nun einer sehr speziellen Zielgruppe zu, den Zigarrenrauchern in Deutschland.

zigarre

 

Auf dem denglischsprachigen Plakat „Abwechslung macht Freude“ schauen diesmal vier in Sexy-Bikinis gekleidete junge Frauen lasziv in die Kamera. Anders als auf dem “Tschüss-Langweiler-Plakat”, bei dem es sich um den Verkauf der präsentierten Unterwäsche handelt, geht es beim zweiten Plakat um den Verkauf von vier unterschiedlichen Zigarren. Die vier in Röhrchen verschiedenfarbig verpackten Zigarren werden implizit auf Englisch als „red tube“, „blue tube“, „black tube“, „green tube“ den vier Frauen zugeordnet, deren Bikinis ebenfalls verschiedenfarbig sind. Die Werbebotschaft empfinden viele als ansprechend, aber auch viele wiederum als eindeutig sexistisch und rassistisch. Eine amerikanische Leserin verstand die Botschaft des Plakats, ohne den deutschen Spruch zu verstehen; sie fasste zusammen: „Abwechslung beim Verzehr von unterschiedlich farbigen Zigarren und unterschiedlich farbigen Frauen macht dich glücklich!“ (s. Foto).
„Das ist doch eine B-Werbung, unterste Schublade“, meinte eine andere deutsche Leserin. „Ich habe den Eindruck,“ fuhr sie fort „als ob sich die Plakatmacher hinter Denglisch verstecken. Sie verkriechen sich unter eine Käseglocke, unter der sie sich alles erlauben können“.

Camera

Apropos Versteck: „Affair Apartment“ als denglische Version des „Seitensprunghotels“ las ich neulich auf einem abgestellten PKW-Anhänger. Ein Leser meinte: „Die denglische Version klingt nun mal sexy!“. Meine Landsleute finden, dass dieser Trailer von einem zweifelhaften Sexappeal zeugt. Zudem wirkt die öffentliche Ankündigung wie eine offene Einladung an Privatdetektive und Paparazzi. “Vor meinem geistigen Auge sehe ich sie mit ihren Kameras hinter einer Hecke auf der Lauer!”, meinte meine 87jährige Mutter.

Vielleicht sollte das Geschäftsmodell überdacht werden. Danach erst empfiehlt sich die Telnahme an einem VHS-Denglischkurs für Fortgeschrittene.

Aber, überzeugen Sie sich selbst (s. Foto).

Ab Herbst 2014 biete ich das Denglisch-Diplom an.

Ihr

Dipl. Deng. Robert Tonks

Andreas Cyffka | Kategorie: GÄSTE IM DEUTSCHBLOG | 1 Kommentar »

Sprechen Sie Denglisch?

17. Februar 2014

sprechensiedenglisch

Denglisch-Freunde aufgepasst. Es gibt Neues von Robert Tonks – Wie immer lustig und auf den Punkt!

DEUTSCH: IST AUCH DENGLISCH

Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, WISSENSWERTES | Kommentare deaktiviert

JAHRESRÜCKBLICK 2013

17. Dezember 2013

jahresrückblick2013

 

Auch wenn uns in diesem Dezember bislang eher milde Frühlingsluft umweht: Es wird Weihnachten, es kommt die Jahreswende, es beschleicht mich das Gefühl, mich gar nicht an alles erinnern zu können. Aber schauen wir mal. Vielleicht geht ein Jahresrückblick ja einfacher, wenn wir im Dezember beginnen und uns zum Beginn von 2013 zurückarbeiten.

Dezember fängt mit D an – richtig: Denglisch auch.  Wie jedes Jahr kam es immer mal wieder in die Schlagzeilen.  Ich finde, für Denglisch gilt das, was ein alter Werbespruch einst für Beton reklamierte: Es kommt darauf an, was man daraus macht! Da gibt es zum einen Robert Tonks, Denglisch-Archäologe der deutschen Werbung.  Er macht daraus – richtig nette Bücher, zuletzt den Doosh Reader. Oder Musik: zusammen mit Anke Johannsen.  Ihren Denglisch-Song hatten wir mehrfach auf dem Deutschblog.

Da gibt es zum anderen den Verein Deutsche Sprache. Der macht aus Denglisch – Preisträger, die von ihrem Glück wohl gar  nichts ahnen. So einer, der auch mit D anfängt, ist der Duden. Er soll nach dem Willen des Vereins Sprachpanscher des Jahres sein wegen der vielen englischen Stichwörter. Very strange.

Die Schweizer kürten Anfang Dezember das Wort Stellwerkstörung zum Wort des Jahres. Man sieht: Auch mit einer Störung kann man zum Star werden. Das ist sogar trendy. So schaffte es in Österreich die Bildung “Frankschämen” zum Wort des Jahres.  Eine Art Fremdschämen.

Und UNSER Wort des Jahres? Ja, richtig: Wir haben GroKo – die Große Koalition. Auch gut.

Im November konnten wir mit viel Freude feststellen, dass unser Onlinewörterbuch PONS Die deutsche Rechtschreibung kurz vor der 150.000 -Stichwörter-Marke steht. Damit enthält es heute bereits rund 10.000 Stichwörter mehr als bei seinem Erscheinen im Jahre 2009.

Im November berichteten wir: Der Linguist Peter Eisenberg verlässt den Rat für deutsche Rechtschreibung. Das erinnerte uns daran: Vom Rat hatten wir länger nichts gehört.

Rund ums Jahr suchten wir die Medienlandschaft nach für unser Blogthema relevanten Meldungen ab- und da gab es welche: Personalchefs schauen immer noch streng auf die Rechtschreibung von Bewerbern. So lautete eine. Lesen durch Schreiben – die umstrittene Methode der Rechtschreibvermittlung – kommt zunehmend in die Kritik. So lautete eine andere.

Rund ums Jahr blieben wir aber auch immer ganz nah dran an den Wörtern. Sie mögen interessante, seltene, seltsame, ungewöhnliche, reizvolle, schwierige Wörter? Gebilde wie Karnöffel, Luminophor, lakustrisch, Absinthlöffel , Exulant oder Hegumenos machen Sie neugierig?Redewendungen wie sapienti sat oder jemandem das Nell abstechen finden Sie reizvoll? Dann hatten Sie bestimmt viel Freude an unseren Blog-Reihen SCHON GEWUSST, FACHCHINESISCH oder SCHÖN+SELTEN. Hoffen wir wenigstens!

Jahresrückblicke sollten vor allem eines nicht sein – zu lang. In diesem Sinne: Wir wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein in jeder Hinsicht glückendes Jahr 2014.

Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FREUT UNS | Kommentare deaktiviert

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