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10. Dezember 2013

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Andreas Cyffka | Kategorie: FREUT UNS, POESIE

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Tour de France

01. Juli 2013

 

 

Am vergangenen Wochenende hat einmal mehr die Tour de France begonnen. Trotz der Skandale der Vergangenheit scheint das Medieninteresse ungebrochen. Wir werfen heute mal einen Blick auf jene Seiten der Frankreichrundfahrt, die in der Medienberichterstattung zwar gelegentlich aufleuchten, selten aber in den Vordergrund treten. Die Tour de France ist nicht nur ein sportliches Großereignis, sie ist auch ein kulturelles Monument, denn nicht nur die Werbekolonne mit ihren ins Gigantische vergrößerten Käsepackungen und ihren rollenden Kiosken fährt der Radsportkarawane voraus, es folgt ihr etwas, das eigentlich noch bedeutend mehr Werbewirksamkeit entfaltet – ein breiter Strom sprachlicher Leistungen und Höchstleistungen, meist im geschriebenen, durchaus aber auch im gesprochenen Medium. Ähnlich den Protagonisten auf dem Rad kurbeln Autoren über poetische Pässe, um auf den Gipfeln des Mythos die Namen der Helden auf den heißen Asphalt zu schreiben.

Schlagzeilen sind dabei noch die Alltagsware des sprachlichen Kosmos, der die Tour auch ist – selbst wenn sie so gelungen sind wie eine „Tour de Lance“.

Bücher über die Tour wurden viele geschrieben, meist von Sportjournalisten wie etwa Helmer Boelsen, dem Dienstältesten unter den deutschsprachigen Radsportjournalisten („Unter Engeln und Kannibalen“)  oder Hans Blickensdörfer („Salz im Kaffee“). Aber auch leibhaftige Radprofis griffen zur Feder wie etwa der Niederländer Peter Winnen („ Post aus Alpe d’Huez“).

Sie denken, so viel Radsportliteratur könnte ein eigenes Verlagsprogramm füllen; das kann sie in der Tat.

Die seit 1903 ausgetragene  Grande Boucle („Große Schleife“) ist nach der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen das drittgrößte Sportereignis der Welt.

Le Grand Départ , die große Abfahrt, ist die traditionelle Bezeichnung für den Beginn der Landesrundfahrt.

Seit 1967 beginnt die Tour de France gewöhnlich mit dem so genannten Prolog, einem kurzen Einzelzeitfahren über eine Länge von circa fünf bis zehn Kilometern.

Die rund 3500 Rennkilometer haben als sprachliches Äquivalent sicher auch eine ähnliche Zahl an Fachbegriffen und Wörtern, die für die Tour typisch sind.

Das Rennen startet mit einem Einzelzeitfahren, das als Prolog bezeichnet wird.

Das aus dem Griechischen stammende Wort bedeutet „Vorrede“ und kann heute auch im Sinne von „Vorwort“ oder „Einleitung“ gebraucht werden. Von diesem Prolog bis zum

Ziel auf der Champs-Elysées  ist es noch ein weiter Weg und ein harter Kampf – beileibe nicht nur der Beinmuskeln, sondern auch der Persönlichkeiten, die die Geschichte der Tour schreiben und für die die Tour immer neue Epitheta ornantia gefunden hat.  So war Laurent Fignon „der Professor“, Miguel Indurain „der Außerirdische“, Dietrich Thurau „der blonde Engel“, Eddy Merckx „der Kannibale“ und lange vor ihnen Gino Bartali „der Mönch“.

Schon die Geburt der Tour de France hat mit dem Schreiben zu tun.

„Erfunden“ wird sie 1903 von der auf eine Auflagensteigerung bedachten Sportzeitung “L’Auto”, deren Chefredakteur, Henri Desgrange, bis zu seinem Tod 1940 auch Tour-Direktor war.

Kommt die Rede auf den professionellen Radsport, ist heue schnell das Dopingthema zur Stelle, das manchem als modernes Übel erscheinen mag.

Doch schon seit Ende des 19. Jahrhunderts war Doping immer auch ein Faktor. In der Frühzeit waren es – lange vor EPO – vor allem Koffein, Kokain und Strychnin, die die Sportler schnell machen sollten, Chloroform-Öl und Opium!

Den Bergkönig der Tour erkennen Sie an dem weißen Trikot mit roten Punkten („le maillot à pois rouges“)  – 1933 von einer Schokoladenfabrik namens Menier gesponsert, deren Schokolade in weißem Papier mit roten Punkten verpackt war.

6000 bis 10.000 Kilokalorien verbraucht die menschliche Maschine auf einer schweren Bergetappe, nicht bekannt ist die vom legendären Daniel Mangeas, Tour-Kommentator seit 1974, pro  Etappe benötigte Kalorienmenge – sie muss ebenfalls gewaltig sein.

Die Wortkaskaden des Toursprechers, die Schlagzeilen, die Epitheta, die Bücher und die Zeitungsartikel – es braucht Sprache und es braucht Worte zum Radfahren – so unverzichtbar wie die Luft in den Lungen und in den schmalen Reifen der Rennräder:

Der Philosoph Peter Sloterdijk  führt  über den Sport aus:  ”Es war [der erste Marathonlauf im Jahr 1896] , “als ob eine neue Energieart entdeckt worden wäre, eine Form von emotionaler Elektrizität, ohne die man sich den “way of life” der folgenden Ära nicht mehr würde vorstellen können. Was an jenem glühend heißen Nachmittag gegen fünf Uhr im Panathinaikon-Stadion geschah, muß man als eine neuartige Form der Epiphanie einstufen. Eine bis dahin unbekannte Kategorie von Augenblicksgöttern stellte sich damals dem modernen Publikum vor – die Götter, die keinen Beweis nötig haben, weil sie nur für die Dauer ihrer Manifestation existieren und nicht geglaubt, sondern erlebt werden. In dieser Stunde wurde ein neues Kapitel der Enthusiasmusgeschichte aufgeschlagen – wer von ihr nicht reden will, muß vom 20. Jahrhundert schweigen.”

Der  Sport und das Göttliche? Das geht Ihnen zu weit? Dann können Sie kein Italiener sein:

Der 1985 verstorbene Pfarrer des oberitalienischen Ortes Magreglio, Don Ermelindo Viganò, weihte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg das Kirchlein Madonna del Ghisallo dem Radsport und sah in  Maria die  “Principale Patrona di Ciclisti Italiani”.

Sie sehen: Die Tour de France als Radrennen führt nicht nur durch Frankreich, Abstecher machte sie schon in viele europäische Länder. Die Tour de France als kulturelles Phänomen führt auch durch die europäischen Sprachen.

Wenn Sie das spannend finden, sind Sie bei Ihren Recherchen im Sprachenportal PONS.EU immer nur einen Klick vom Ziel entfernt. Oder Sie holen sich Verstärkung: Im Französisch- oder Italienisch-Forum treffen Sie mit Sicherheit Gleichgesinnte. Oder im Englisch-Forum. Vielleicht beantwortet ja Lance Armstrong Ihre dort gestellte Frage – mehr Zeit als früher hätte er jetzt ja.



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Andreas Cyffka | Kategorie: ALLGEMEINES, FREUT UNS, POESIE, WISSENSWERTES

Kommentare

Eugen Roth, Das Hilfsbuch

19. März 2013

 

Ein Mensch, nicht wissend von „Mormone“ 

Schaut deshalb nach im Lexikone  

Und hätt es dort auch rasch gefunden –  

 jedoch er weiß, nach drei, vier Stunden   

Von den Mormonen keine Silbe –   

Dafür fast alles von der Milbe,   

von Mississippi, Mohr und Maus:   

Im ganzen „M“ kennt er sich aus.   

Auch was ihn sonst gekümmert nie,   

Physik zum Beispiel und Chemie,   

Liest er jetzt nach, es fesselt ihn:   

Was ist das: Monochloramin?   

„Such unter Hydrazin“, steht da.   

Schon greift der Mensch zum Bande „H“   

Und schlägt so eine neue Brücke   

Zu ungeahntem Wissensglücke.   

Jäh fällt ihm ein bei den Hormonen   

Er sucht ja eigentlich: Mormonen!   

Er blättert müd und überwacht:   

Mann, Morpheus, Mohn und Mitternacht.   

Hätt weiter noch geschmökert gern,   

Kam bloß noch bis zum Morgenstern   

Und da verneigte er sich tief   

Noch vor dem Dichter – und – entschlief.   


Andreas Cyffka | Kategorie: POESIE

Kommentare

13. März 2013


Andreas Cyffka | 



Kommentare

  • Werner Wolski |  14.03.2013

    Das mit “Prezi” finde ich toll! Ich kannte das nicht. Möglicherweise – da muss ich mich mal sachkundig machen – ist das erweiterbar. Vielleicht kann man damit auch Animationen machen. Aber die Idee, den wirklich gut gemachten Deutschblog in eine Reihe mit Deutsch in verschiedenen Ländern (jedenfalls den zentralen Ländern) zu stellen, ist ein schöner Anfang. An weiteren kreativen Einfällen wird es Ihnen sicher nicht mangeln.
    Schöne Grüße
    W.W.

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