Junge Frau sitzt nachdenklich auf dem Boden
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Grammatikfalle: „Deppenapostroph“

Steht ein Apostroph an einer Stelle, an der nun wirklich keiner hingehört, spricht man in der Umgangssprache gerne vom „Deppenapostroph“. Oft handelt es sich dabei um falsche Genitivkennzeichnungen, die ihren Ursprung vermutlich im Englischen haben. Dort werden besitzanzeigende Genitive mit „…’s“ gekennzeichnet, wie etwa in Harry’s birthday. Im Deutschen ist an dieser Stelle jedoch kein Apostroph vorgesehen. Stattdessen wird die s-Endung des Genitivs einfach direkt an den Stamm angehängt: Peters Geburtstag. (Ausnahmen dazu diskutieren wir unten.).

Und woher stammt der Ausdruck „Deppenapostroph“?

Inzwischen haben sich die falschen Apostrophe auch auf andere grammatische Umgebungen ausgedehnt. Man könnte fast meinen, ein –s am Ende eines Wortes genügt und schon steht der Apostroph. Da dies zum Teil zu äußerst grotesken Formen führt, wird das Phänomen oft als „Deppenapostroph“ abgestraft. Dabei ist ja nun wirklich nicht gleich jeder ein Depp, nur weil er oder sie mal einen Apostroph falsch setzt. Wer aber lieber auf Nummer sicher gehen will, der ist hier genau richtig. Wir zeigen dir, wie man sich im Apostrophendschungel am besten zurechtfindet.

Wo setzt man im Deutschen einen Apostroph?

Grundsätzlich gibt es im Deutschen drei Regelkomplexe, nach denen ein Apostroph gesetzt wird:

 

Bei Auslassungen

Dabei kann es sich sowohl um ganze Wortteile handeln als auch um Auslassungen, wie sie in der gesprochenen Sprache vorkommen. Handelt es sich bei Letzterem um Verkürzungen von es oder ein/eine/einer/einen/einem, kann der Apostroph auch weggelassen werden.

  • Ku’damm -> Kurfürstendamm
  • Du bist ’ne/ne blöde Kuh -> Du bist eine blöde Kuh.
  • Das ist ja mal ’n/n Schrott! -> Das ist ja mal ein Schrott!
  • Hast du’s/dus? -> Hast du es?
  • Wie geht’s/gehts? -> Wie geht es?

 

Bei der Genitivbildung mit Wörtern, die auf einen Zischlaut enden

Auch wenn der Genitiv im Deutschen allgemein ohne Apostroph gebildet wird, gibt es hierzu ein paar Ausnahmen, nämlich, wenn das Stammwort auf einem Zischlaut (-s, -ß, -ss, -z, -tz, -ce oder -x) endet:

  • Markus’ Lesebrille ist schon wieder verschwunden.
  • Max’ Noten werden auch immer schlechter.
  • Grass’ Werke sind immer noch aktuell.

Achtung: Ein Apostroph beim Genitiv darf seit der Rechtschreibreform in Ausnahmefällen auch gesetzt werden, um Zuordnungen noch eindeutiger zu machen:

  • Andrea’s Tattoostudio (man sieht auf einen Blick, dass dieses Tattoostudio Andrea und nicht Andreas gehört)

 

Bei Eigennamen, die als Adjektiv verwendet werden

Infolge der Rechtschreibreform hat sich die Schreibung von Eigennamen, die als Adjektiv verwendet werden, geändert. Diese –sch-Bildungen schreibt man nun entweder klein oder aber mit einem Apostroph:

  • grimmsche/Grimm’sche Märchen
  • das ohmsche/Ohm’sche Gesetz

Wo setzt man im Deutschen keinen Apostroph?

  • beim Genitiv (bei dem das Grundwort nicht auf -s, -ß, -ss, -z , -tz, -ce oder -x endet): Marias Haus, Peters Geburtstag, Rosies Pinte, des Motorrads, des Vaters etc.
  • beim Plural: unsere Autos, in den Wiener Cafés, die VfB-Fans, süße Babys, laute LKWs (auch möglich: laute LKW)
  • bei zusammengezogenen Präpositionen: ans, aufs, durchs, fürs, am, beim, vorm, übern, zur, ins. Auch wenn hier im eigentlichen Sinne Auslassungen vorliegen (vorm -> vor dem), sind diese Wörter im Deutschen in dieser Schreibung schon so fest verankert, dass man sie nun ohne Apostroph schreibt.
  • bei Tageszeiten: morgens, mittags, abends
  • beim Imperativ: Geh doch heim! Sag doch so was nicht! Da der Imperativ nur aus dem Verbstamm ohne Endung gebildet wird, ist hier kein Apostroph nötig, da kein Wegfall gekennzeichnet werden muss.
  • bei grammatisch akzeptierten Kürzungen: heraus -> raus
  • wenn in der 1. Person Singular die Endung –e wegfällt: Das lass ich nicht zu! Ich geh jetzt nach Hause.

 

Und? Alles klar? Dann kann ja nun nichts mehr schiefgehen! Und falls doch noch Zweifel aufkommen – einfach kurz im Wörterbuch nachschlagen!

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